
Devil's Kiss: das Spiel, das nur existiert, um ein anderes zu verkaufen
Ohne Frist: Es bleibt im Katalog, bis der Shop es entfernt.
Bei GOG holen ↗Geholt wird es in deinem eigenen Shop-Konto; Clairo holt es nicht für dich.
Die Verfügbarkeit kann je nach Region unterschiedlich sein.
Eine komödiantische Visual Novel von Size Five Games über Dans und Bens ersten Schultag, die ihr Publikum spaltet: Die einen werden zu Fans des hauseigenen Humors, die anderen finden die investierte Zeit nicht gut angelegt.
Ein erster Schultag, mittendrin ein Dämon
Devil's Kiss macht keinen Hehl daraus, was es ist: ein Köder – und der hat mindestens einmal funktioniert. Wer die Rezension am 15. Januar 2021 abschloss, gibt zu, das Spiel mit dem festen Vorsatz verlassen zu haben, das größere Spiel zu kaufen, für das es überhaupt wirbt: Lair of the Clockwork God.
Man begleitet Dan an seinem ersten Tag in der Big School, wie er sich beim beliebtesten Archetyp der Spiele aus der Mitte der Neunziger einschmeicheln will, um eine Karriere als nutzloser Handlanger zu starten. Ben kommt über seine Verbindung zu den Archetypen der Point-and-Click-Adventures, der Rollenspiele und der heldenhaften Shooter ins Spiel, allesamt als Mitschüler verkörpert – und die beiden geraten in eine Verschwörung, die den ganzen Globus umspannt, zwischen Anmache, Dämonen und peinlichen persönlichen Daten.
Das Spiel erschien am 18. März 2020, verantwortet und vertrieben von Size Five Games selbst, ohne fremden Publisher dazwischen. Im Shop-Eintrag ist es weiterhin als Early Access gekennzeichnet – ein ungewöhnliches Etikett für einen bereits offiziell veröffentlichten Titel. Einen abspielbaren Trailer gibt es auf der Seite nicht – an die Stelle des Videos tritt das Coverbild.

Wer sich auf den Ton des Witzes einlässt, geht zufrieden
Wer dem selbstironischen Humor anderer Spiele des Studios schon einmal begegnet ist, erkennt den Ton in Sekunden. Wer das Spiel am 15. Januar 2021 unter Linux spielte und bewertete, lobt, wie viel Kontext und wie viele Witze über die Figuren das Spiel in so kurzer Zeit unterbringt, dazu die Grafik – Stil und Farben gelungen – und die spitzen Dialoge, genau nach dem Geschmack derer, die das Haus schon kennen.
Wer am 17. August 2026 zum Spiel zurückkehrte, bringt auf den Punkt, warum er ihm sogar vertraut, ohne zu wissen, worum es geht: Size Five Games hat schon mehrere solcher Komödien abgeliefert und ist bis heute kein einziges Mal ausgerutscht – dieser Ruf trägt die Erwartung.
Dieselbe Runde des Lobes lässt aber auch den Preis durchblicken: Der Soundtrack wird als solide, doch repetitiv bezeichnet, und die Dialogoptionen öffnen zwar verschiedene Wege, ändern aber nichts am Verlauf der Geschichte – das Gefühl der Wahl, ohne ihre Konsequenz.
Eine einzelne Gegenstimme, und was sie einräumt
Wer das Spiel in der Erwartung von Tiefe öffnete, erkennt die Klage wieder: Die härteste Bewertung des Feldes, veröffentlicht am 28. September 2021, nennt das Spiel interessant, aber nicht interessant genug – die dafür aufgewendete Zeit ergab für diese Person keinen Grund, es noch einmal zu spielen.
Selbst diese Kritik verwirft das Spiel nicht völlig: Sie räumt ein, dass es Neugier weckt, bestreitet nur, dass diese Neugier bis zum Ende trägt. Es ist die einzige negative Kritik, die in dieser Recherche wiedergegeben wird, entnommen der Seite auf GOG, demselben Shop, der den Titel jetzt ebenfalls vertreibt – und sie irrt aus Zurückhaltung, nicht aus völliger Ablehnung.
Taugt als Kostprobe, nicht als Hauptgericht
Wer noch schwankt, ob er Lair of the Clockwork God kaufen soll, bekommt hier die Kostprobe: dieselben Figuren, denselben selbstironischen Humor und dieselbe Grafik, in einem Paket, das die Spieler selbst kurz nennen – und das mindestens eine Person bereits zum größeren Spiel weitergelockt hat.
Wer darauf hofft, dass die Entscheidungen den Verlauf der Geschichte ändern, sucht besser anderswo: Die Verzweigung ist hier Oberfläche, nicht Konsequenz. Und wer des auf ständiger Selbstparodie fußenden Witzes schnell überdrüssig wird, stößt an dieselbe Grenze, die die niedrigste verzeichnete Wertung einbrachte – das Gefühl, dass der Gag über Gebühr gedehnt wird.