NeverRage: Der Shop meldet den Start, das Spiel selbst kündigt ihn erst an
Ohne Frist: Es bleibt im Katalog, bis der Shop es entfernt.
Bei Steam holen ↗Geholt wird es in deinem eigenen Shop-Konto; Clairo holt es nicht für dich.
Die Verfügbarkeit kann je nach Region unterschiedlich sein.
Burgen, Pantheons und Handel in der echten Welt stecken hinter einer Beschreibung, die immer noch im Futur spricht – verfasst von einem Studio, das eine beschädigt ausgelieferte Version des Spiels noch geradebiegt.
Eine Welt mit 23 Dimensionen und ein Datum, das nicht passt
Im Shop-Eintrag des Spiels steht der 31. Dezember 2024 als Erscheinungstermin. Weiter unten, in der Beschreibung, die das Studio selbst geschrieben hat, erzählt ein Satz etwas anderes: Der Start stehe noch aus, am 1. Januar 2027. Beide Daten teilen dieselbe Seite, und keines löscht das andere.
Zwischen dem einen und dem anderen Datum wird Großes versprochen. NeverRage ist ein Action-Spiel aus der dritten Person, das Kämpfe mit Zielerfassung und freies Kämpfen mischt, aufgeteilt auf die Erkundung einer offenen Welt, aufs Bauen und aufs Überleben. Man kann Land kaufen und eine Burg errichten oder ein fertiges Modell erwerben; man kann Schreine für Pantheons bauen – keltisch, griechisch, nordisch, ägyptisch –, die Handelsvorteile gewähren; man kann als Pirat auf dem offenen Meer jeder der 23 Dimensionen des Spiels anheuern.
Der Krieg zwischen den Burgen läuft nicht von allein: Er bricht erst aus, wenn ein bestimmtes Ereignis den Zorn eines Herrschers überlaufen lässt, und genau dieser Zwischenraum schafft Platz für Sabotage und heimliche Missionen, während die Auseinandersetzung näher rückt. Öffnet man die Karte, ist jede Dimension ein eigenes Fenster auf dieselbe Welt, geteilt in zwei Landstücke, die um dasselbe Schlachtfeld streiten.
Eine vergessene Routine und eine beschädigte Version
Die Pinnwand des Studios spricht im Juli 2026 nicht von neuen Inhalten, sondern von kaputter Infrastruktur. Ein Beitrag vom 11. erklärt, dass die vorige Version beschädigt für das 64-Bit-Windows hochgeladen wurde und inzwischen korrigiert ist; die Liste der offenen Punkte daneben nennt die Charaktererstellung als den offenen Posten und fasst alles Weitere unter einer einzigen Überschrift zusammen, dem Rest. Am selben Tag berichtet ein anderer Beitrag, der Autor habe vergessen, eine Routine zu initialisieren – aufgefallen sei ihm das, so sein eigener Text, fünf Minuten nach dem Aufwachen.
Er versichert, kein Problem sei zu groß, um es allein zu bewältigen, räumt aber im nächsten Satz ein, dass sich ein kleiner Fehler in einer ganzen Version verstecken kann, ohne dass es jemandem auffällt, und erst dann zum Vorschein kommt, wenn eine Reparatur zu spät kommt. Wer diese Pinnwand Tag für Tag verfolgte, sähe weniger Spielbilder als Entschuldigungen für kaputte Infrastruktur.
Erst in einem Beitrag, der als Update zur Mehrspieler-Nebenläufigkeit angekündigt und am 13. Juli 2026 veröffentlicht wurde, zeigt sich das erste sichtbare Ergebnis: Spieler können sich gegenseitig in derselben Welt tragen, wobei der Code Stück für Stück von der provisorischen Optik zur endgültigen Fassung wandert. Ein weiterer Beitrag aus demselben Schub nennt einen Content-Creator für Spiele beim Namen, Asmongold, um ihm zuzustimmen, dass an Konten gebundene digitale Gegenstände verschwinden, sobald der Server abgeschaltet wird – und verspricht stattdessen eine Plattform, auf der man neben dem eigenen Avatar eine Limonade trinken kann. Die Spannung, die das Projekt durchzieht, liegt nicht darin, ob man es mag: Die Größe des Versprochenen passt noch nicht in die Größe dessen, der es baut.
Die einzelne Empfehlung, die kein Urteil abgibt
Die als positiv markierte Empfehlung im Dossier ist auf Chinesisch verfasst. Sie stammt vom 30. April 2026, erfasste Spielzeit: keine. Wer Chinesisch liest und sie heraussucht, erkennt jeden Satz wieder – es ist dieselbe Beschreibung, die der Shop im Eintrag des Spiels ohnehin zeigt: dieselbe Zusammenfassung des Kampfsystems, dieselbe Karte der Dimensionen, dieselbe Liste der Systeme.
Ein Lob steht darin nirgends. Sie sagt über das Spiel nichts, was das Spiel nicht schon selbst über sich gesagt hätte.
Wer hineinkam, kam über den ersten Teil nicht hinaus
Die negativen Texte erzählen eine stimmigere Geschichte. Eine Person hielt am 2. Januar 2025 fest, ohne erfasste Spielzeit, dass sie über den ersten Teil nicht hinauskam: nur Abstürze und Fehler, dazu der Rat, abzuwarten, dass das Studio innen am Spiel weiterarbeitet. Man stelle sich vor, das Spiel zum ersten Mal zu starten und die Eingangstür nicht hinter sich zu lassen – genau das hat diese Person beschrieben.
Eine andere Person hatte schon vier Stunden investiert, als sie zum Spiel zurückkehrte. Ihr Text vom 19. November 2025 enthält eine Warnung, die schwerer wiegt als jeder Programmfehler: Das Spiel verlangt ein Konto bei einem externen Dienst namens Hermes Link, außerhalb des Systems von Steam, und verknüpft diese Forderung mit dem Risiko, dass Spielerdaten gesammelt und weitergegeben werden. Derselbe Text beschreibt die Server als leergelaufen, ohne genug Leute, um das Spiel so zu tragen, wie es entworfen wurde.
Selbst der lockerste Kommentar des Schubs kommt zum gleichen Urteil. Einer vom 5. Januar 2025, ohne Spielzeit, besteht nur aus einer Zeichnung aus Schriftzeichen – einer Katze namens Jake –, die um Likes bittet, damit sich das Wort verbreitet. Das Wort lautet in diesem Fall: Das Spiel ist schrecklich.
Für wen sich eine Burg im Fundament lohnt
NeverRage verlangt zwei Dinge, die in keinem Shop-Eintrag stehen: Geduld, darauf zu warten, dass eine massive Mehrspielerwelt echte Leute bekommt, und die Bereitschaft, allein zum Spielen ein Konto außerhalb von Steam anzulegen. Wer beides zahlt, steigt in ein Projekt ein, das sich vor den Augen der Spielenden baut – Korrekturen in aller Öffentlichkeit, Systeme, die nach und nach angekündigt werden, eine Karte der Dimensionen, Burg für Burg errichtet.
Wer das nicht mitmacht, hat handfeste Gründe, einen Schritt zurückzutreten: Die zwei ausführlichsten Schilderungen des Dossiers berichten von Abstürzen direkt beim Start und von der Forderung nach einem externen Konto, die mehr nach Risiko klingt als nach Funktion. Zwischen dem, was das Spiel verspricht, und dem, was es schon einlöst, liegt vorläufig der Abstand zwischen einem Shop-Eintrag und einer fertigen Welt.